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Artikel über OFIGO Joint-Venture „Candely“ in der WAZ

Essens traditionelle Kerzenmacher starten Online-Shop

ESSEN. Die Kerzen-Manufaktur Heuschmid gibt es seit 90 Jahren. Nun macht sich das alte Handwerk mit einem Internet-Shop auf ins digitale Zeitalter.

Das Tageslicht fällt schummrig durch die Fenster, die Luft ist dick und es riecht nach warmem Wachs und Maschinenöl. So muss es schon vor 90 Jahren gewesen sein, als der Schwabe Adolf Heuschmid mitten im Ruhrpott seine Kerzenfabrik gegründet hat. Bis heute gibt es in der kleinen Manufaktur in einem Hinterhof in der Reginenstraße 59 nur wenige Maschinen, geschweige denn eine, die computergesteuert ist. Das Wachszieherhandwerk gehört zu den ältesten Handwerken. Bis heute werden auch bei Heuschmid viele Produktionsschritte noch per Hand erledigt.

Darauf ist Geschäftsführer Christian Kaufhold, 41, auch stolz: „Wir können so sehr schnell auf Kundenwünsche – auch auf ausgefallene – reagieren“, sagt er und zeigt auf vier dicke schwarze Kerzen, die sich ein Kunde dieses Jahr für seinen Weihnachtskranz bestellt hat. Auf über 100 000 verschiedene Kerzen kommt die Manufaktur: dicke, dünne, lange, kurze, gelbe, rote. Den überwiegenden Teil liefert Heuschmid an Kirchen der Region. Und so sorgen auch in dieser Weihnachtszeit wieder Heuschmid-Kerzen in vielen Gotteshäusern für das stimmungsvolle Licht.

Kirchenschließungen machen auch Heuschmid zu schaffen

Doch der Kuchen wird nicht größer, das weiß Christian Kaufhold. In den nächsten Jahren werden im Ruhrbistum weitere Kirchen schließen. Der Prozess ist längst in Gang gesetzt. Hinzu kommt die Spar-Mentalität vieler Verbraucher, die es für kleine, feine Betriebe wie Heuschmid nicht leichter macht. Was Christian Kaufhold ärgert, wenn er durch die Läden geht: „Es wird so viel Ramsch verkauft. Der Kunde heute hat keine Ahnung, was eine gute Kerze ausmacht.“

Doch Tradition und Handwerkskunst allein werden möglicherweise in der Zukunft nicht mehr ausreichen. Und so hat sich Christian Kaufhold dieses Jahr mit seinem Unternehmen auf den Weg ins digitale Zeitalter gemacht. Seit Neuestem gibt es die Heuschmid-Kerzen auch im Internet. „Candely“ heißt der Online-Shop, den Kaufhold mit dem Essener IT-Unternehmen Ofigo gegründet hat. Hinter Ofigo steht Christian Kaufholds Schwager Thorsten Spies.

Online-Shop „Candely“ verkauft individuelle Taufkerzen

Der musste durchaus Überzeugungsarbeit leisten. Christian Kaufhold war nicht sofort begeistert, seine Kerzen im Internet anzubieten. „Ich habe zwar immer mal wieder darüber nachgedacht, war aber der Meinung, dass das für uns nicht das Richtige ist.“ Schließlich tummeln sich im Netz schon jede Menge Anbieter. Und wie hebt man sich dann von denen ab? Viele seiner Kunden gewinnt und pflegt Christian Kaufhold zudem mit persönlicher Beratung. Aber im Internet? „Das tollste Produkt macht ja keinen Sinn, wenn es niemand findet.“

Thorsten Spies hat ihn schließlich doch von der Idee begeistert. „Aber ohne Ofigo, die das notwendige Know-how haben, hätte ich das nicht gewagt. Wir hätten auch nie das Geld gehabt, uns so eine Plattform von einem Dritten entwickeln zu lassen“, räumt Christian Kaufhold ein.

In dem Online-Shop werden zur Zeit nur Taufkerzen angeboten. Denn das ist das größte Segment im Kerzenmarkt und vor allem: Taufkerzen laufen das ganze Jahr über. Um sich von der Masse abzuheben, haben die beiden Gründer Spies und Kaufhold den Markt studiert. Auch Taufkerzen gibt es natürlich im weltweiten Netz jede Menge, aber offenbar noch keinen Laden, in dem sich Kunden Farbe und Motiv für die Kerze selbst zusammenstellen können und die außerdem Namen und Geburtstag des Taufkindes trägt.

Die erste Bestellung kam aus dem süddeutschen Raum. Mittlerweile hat Heuschmid schon über 100 verkauft. Es bleibt ein Experiment, das die Antwort darauf geben könnte, wie sich altes Handwerk für die Zukunft neu erfinden kann.

Foto: WAZ

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